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Vor Tausenden von Jahren, war dort, wo heute die Wälder stehen, in denen die Trolle leben, nichts, als eine Eiswüste. Als das Eis geschmolzen war wehte über Jahrtausende ein eisiger Wind über eine karge Landschaft. Durch die Witterung bedingt wurden Fels und Gestein geschliffen und gebrochen. Feiner Sand entstand, der in die engsten Felßpalten rutschte, wo der Wind ihn nicht mehr erfaßen konnte. Ein durch einen Vogel herangetragenes Samenkorn konnte darin aufgehen. Es war der Samen einer unscheinbaren Blume, weit aus dem Süden. Aber es sollten noch viele Jahre ins Land gehen bis der erste Baum wuchs. In seinem Windschatten konnten sogar Beeren heranwachsen. Und mit den ersten Tieren kam dann auch er, der erste Troll, um in den Wurzeln dieses Baumes zu leben.

Er war winzig, nicht größer, als daß er in eine Hand paßte. Das Gesicht war tief zerfurcht und der Mund stets wie zum Spott verzogen. Seine Flöte war das erste, was er machte. Bald schon beherrschte der Troll diese Flöte und der Wind folgte seinem Spiel, wie ein Balletttänzer der Musik des Orchesters. Doch der Wind birgt auch Gefahren in sich, er kann den Troll mit sich reißen, so kann er in die mißliche Lage geraten fremde Hilfe annehmen zu müßen. Das Schlimmste wäre die Hilfe eines Menschen, denn dieser wüßte dann von seiner Existenz. Aber genau das geschah. Der Mensch konnte sich nun ein Bild von dem machen, was er bis dahin mehr ahnte, als er es kannte und was er noch nie gesehen hatte, ein Bild von den Trollen.

Für den ersten Troll gab es keinen Zweifel, es muß noch andere geben. Deshalb machte er sich auf den Weg um nach seines Gleichen zu suchen, nach Trollen, genau so trollig wie er selbst. Er brach auf, nach Norden, immer der Mitternachtßonne entgegen.

An einer unüberschaubaren Waßerfläche wollte er seinen Durst stillen. Kaum beugte er sich vor, als er schon zurückgehalten wurde. Der Näck, sein dem Leben im Waßer angepaßt Gegenstück, meinte dieses Waßer wäre nichts für ihn. Starrköpfig, wie er war, trank der Troll trotzdem. Er sollte es bereuen, denn Meerwaßer ist salzig. Trotz dieses schlechten Startes freundeten sich die beiden an. Um einander wieder finden zu können wollten sie ihre Namen austauschen. Der Troll, als der erste seiner Art, hatte aber keinen Namen. Fluchs wurde einer gesucht und gefunden. Seine Vorliebe für alle Beeren floß in die Namensgebung ein, Allbeert.

Die Nachtsonne schien über den Himmel zu schleichen, ehe sie im Osten angelangt war und ein neuer Morgen begann. Um seine Reise fortsetzt zu können half der Näck dem Troll über einen Bach.

Als die Sonne sich schon rotgolden färbte, hielt Allbeert nach einem Schlafplatz Außchau. Schnell fiel er in einen tiefen Schlaf, aus dem er durch die donnernde Stimme eines Riesen gerißen wurde. Nach einigem hin und her wurden die beiden sich sogar einig, daß trotz der unterschiedlichen Körpergröße, beide zu den Trollen gehören, denn sie hatten Schwänze. Der eine von ihnen gehörte zum Småfolk der andere zu den Jätte-Trollen. Der Jätte-Troll erklärte sich sogar bereit Allbeert auf seinen Schultern zu tragen, was die Reise erheblich beschleunigte.

Nach einigen Tagen glich die Landschaft den Traumbildern, die Allbeert nach Norden gerufen hatten. Auf einem Hochplateau entdeckten sie bald andere Trolle, es mochten Hunderte sein.Von einer unergründlichen Macht geführt, hatten sie sich auf hier versammelt.

Auf Grund körperlicher Merkmale wurde ermittelt wer der älteste von ihnen war. Diesem Treiben, schaute Allbeert anfänglich schmunzelnd zu. Für ihn war klar, er ist und bleibt der erste Troll, der jemals gewesen sein wird. Und so war es auch.

Die Trolle feierten mit Flötenspiel und Tanz die ganze Nacht durch. Es war die Nacht des höchsten Standes der Mitternachtßonne, als all das geschah.

Nach diesem ersten großen Treffen der Trolle war klar, was bisher einzelne Trolle waren, überzeugt nur von sich selbst, war eine ganze Population. Ein Haufen Schabernack treibender Individualisten die immer zu einer Balgerei bereit, durch die Wälder des Nordens trollten.

Auch, was in früheren Zeiten noch ein Rätsel war, löste sich jetzt von selbst auf. Sträucher von Blaubeeren oder Preiselbeeren an denen ein Ast abgeknickt war, wurde jetzt als klares Zeichen erkannt: ‚ÄěHier ist ein Troll vorbeigekommen!‚ÄĚ Und es wurde Außchau nach ihm gehalten, vielleicht um einer zünftigen Balgerei willen oder um nur ein Schwätzchen zu halten.

Trotz der individuellen Lebensweisen sahen sich die Trolle jetzt als Ganzes und man hört häufig: ‚ÄěWir ... Es fanden Hochzeiten statt, die zu Mittsommer geschloßen wurden. Mit Flötenspiel und Tanz, hitzigen Debatten und Prahlereien wurde der Mittsommer an dem Allbeert heiratete noch ausgelaßener gefeiert als es sonst üblich war. Bald gab es auch schon die ersten Trollkinder.

Den Frösten des Winters widerstehen die Trolle auf ihre ganz persönliche Art. Dafür wird die Höhle mit Moos ausgepolstert. Wir haben es hier mit der einzigen Situation im Leben der Trolle zu tun wo sie bereit sind fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen. Schließlich muß Moos in die Höhle gebracht werden.

Am Polarkreis, dem Hauptsiedlungsgebiet der Trolle werden die Nächte im Herbst immer länger und noch weiter im Norden herrscht im Winter sogar Dunkelheit. Wenn auch tagsüber die ersten Fröste kommen oder aber die lange Nacht beginnt, ist es Zeit für den Winterschlaf. und bis auf das Fest der Winterstürme zu Mittwinter wird die Höhle nicht verlaßen. Danach wird weiter geschlafen um dann im Frühjahr endgültig durch das Läuten der Schneeglöckchen geweckt zu werden.

Zum Mittwinterfest jedoch ziehen alle männlichen Trolle in einer endlos scheinenden Prozeßion auf das Plateau auf dem auch das Mittsommerfest stattfindet. Als wichtigste Utensilien sind der Trollleuchter, mit seiner besonderen Fähigkeit Gold intensiv aufleuchten zu laßen, und die Flöte unerläßlich. Erzeugen doch die Trolle mit deren Hilfe das einzige Himmelslicht des polaren Winters, das Nordlicht oder auch Wetterleuchten.

Schon Tage vorher verließen die ersten von ihnen ihre kuschelig warm ausgepolsterten Behausungen um sich auf den Weg zu machen. Keiner würde diesen Anlaß verschlafen.

Für die ersten Trolle, die noch einsam durch die Wälder streiften gab es noch keine Schatzsuche. Brauchte es einige Zeit, ehe nach der Eiszeit der erste Troll gekommen war, so brauchte es noch wesentlich länger, ehe der erste Mensch skandinavischen Boden betrat. Trolle bauen weder Erze ab, noch schürfen sie in Flüßen nach Gold. Sie sind darauf angewiesen ihre Schätze zu finden. Richtig, Trolle stehlen nicht sie machen höchstens Tauschgeschäfte. Nun ist es aber nicht unbedingt erforderlich, daß der Geschäftspartner dem Geschäft zustimmt. Als Dank kann da schon der Sturz, genau in einen prall vollen Blaubeerstrauch oder auf ein paar saftige Pilze, als Gegenleistung gewertet werden. Auch sinnlos herumliegendes Gold oder Schmuck entgeht nicht ihrer Aufmerksamkeit. Ein plötzlicher Anfall von Reinlichkeit läßt sie diese Gegenstände bei Seite räumen.

Daß die Menschen nicht wie die Trolle unter Wurzeln leben wollten konnten auch die Trolle verstehen. Aber dafür, daß sie ganze Wälder roden, dafür hatten die Trolle kein Verständnis. über ein paar hundert Jahre hinweg gab es so etwas wie eine friedliche Koexistenz. Schließlich holten die Menschen nur soviel Holz aus den Wäldern, wie sie zum Hausbau brauchten. Aber das was jetzt paßierte, das ging selbst dem gutmütigsten Troll zu weit. Eine ganze Lichtung entstand. Es galt einzuschreiten. Ein Exempel mußte statuiert werden. Auf einer Anhöhe versammelt wurden alle Tollkräfte mobilisiert um mit Flüchen, Verwünschungen und Verhexungen die Werkzeuge unbrauchbar zu machen. Nach einem Weg die Menschen von ihrer selbstgeschaffenen Lichtung zu vertreiben brauchte auch nicht lange gesucht zu werden. Schließlich können Trolle allein durch die Kraft ihres Willens ganze Felsen bewegen. Mit Strategie und Allbeerts überlegtem Vorgehen wurde auch das Ziel erreicht. Die Gesellschaft der Trolle dankte es Ihm, in dem sie Allbeert zu ihrem König machten.

Die Trolle waren so erfolgreich, daß es noch heute viele Menschen gibt, die man niemals dazu überreden könnte in einem Wald zu nächtigen. Am Ort der damaligen Auseinandersetzung grübeln heutige Geologen darüber, wie Felsen an stellen liegen können wo sie eigentlich gar nicht hin gehören.

Jeder Troll kennt die Bedeutung eines Wortes vom Anbeginn seines und des Wortes Sein. Daher braucht ein Troll, im Gegensatz zu uns Menschen seine Sprache nicht zu erlernen. Nur die Art der Satzbildung müßte erlernt werden, wenn es sie denn gäbe. Wie sie es dennoch schaffen immer wieder und wieder in übertreibungen ihrer eigenen Leistungen zu schwelgen ist kaum zu verstehen.

Der Ausgeprägte Sinn für das Durcheinander und das Chaos erlaubt es den Trollen einander zu verstehen.

Trotz dieser ungeregelten Sprache fühlten sich einige zum Schriftsteller berufen. Jeder hatte natürlich seine eigene Schrift, bis nach Jahrhunderten eine gemeinsamen Schrift eingeführt wurde, Trollkringel. Es entstand sogar eine Trolliothek. Auf Grund des anfänglichen Durcheinanders in der Schrift konnte nur der jeweilige Schreiber sein eigenes Buch lesen. Daher fanden regelmäßige Lesungen statt. Auch Bücher die aus dem Menschlichen übersetzt wurden, kamen zu Lesung. Beachtenswert in dieser Bibliothek ist das aus Alraune gefertigte Regal der ungeschriebenen Bücher. Dort lagerte auch bis vor kurzem das hier vorgestellte Buch.

Für die Trolle gibt es auch heute noch Vorlesungen, wie zu den Zeiten als die Trolliothek entstand

Noch heute treffen sich die Trolle um zu feiern. Wenn man zu Mittsommer an der richtigen Stelle hoch oben im Norden, dort wo die Sonne im Sommer auch nachts scheint, unterwegs ist und die Ohren spitzt, kann man ihre Flöten und ihr Gelächter hören. Vielleicht findet auch gerade eine Vorlesung in der Trolliothek statt. Man muß nur die Augen schließen und, vor allem eines, feste daran glauben.

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Die Trolle - wie sie leben