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Die Trolle, und in erster Linie die des Småfolkes (kleiner Wichte), die sich unseren Blicken geschickt zu entziehen vermögen, belebten ursprünglich nur die Wälder hoch oben im Norden Skandinaviens. Schabernack und vor allem reichlich Raufereien scheinen ihre einzige Lebensaufgabe zu sein. Allerdings nur dann, wenn sie sich nicht gerade auf Schatzsuche begeben. In diesem Buch soll von jenen erzählt werden die, zum Anbeginn des Denkens dort die ersten waren.

Wie wir uns sicher vorstellen können: Das Gemeinwesen der Trolle ist keineswegs so zu verstehen wie wir den Umgang miteinander gewohnt sind. Dinge die für uns alltäglich sind existieren erst gar nicht, dafür gibt es Regelungen die uns befremdlich erscheinen.

Als erstes, haben sich über die Jahrhunderte hinweg die jeweiligen Gruppen der SmåfolkTrolle an die Gegenden, in denen sie leben, angepaßt und ihren eigenen, mit der Natur im Einklang stehenden Lebenßtiel entwickelt . So gibt es neben den Waldtrollen, der größten Gruppe, von der auch dieses Buch handelt, schon seit langem die Waldrandtrolle, zu denen auch der getreue Haurucki gehört, einer der engsten Vertrauten des obersten aller Trolle, König Allbeers. Diese Waldrandtrolle sind jene, die den engsten Kontakt zu den Menschen haben. Das bedeutet nicht, das sie Kontakt zueinander pflegen. Begegnungen sind äußerst selten. Wenn sie dennoch stattfinden, so gut wie immer, ungewollt.

Andere Trolle haben sich dem Leben im Gebirge verschrieben, die Bergtrolle, und weitere dem Leben an den Küsten und Fjorden zugewandt, Küsten- bzw. Fjordtrolle. Die rauesten aller Gesellen sind aber die, ganz oben im äußersten Norden, jenseits der Baumgrenze, Sturm und Unwetter trotzenden Trotztrolle. Da in ihrer Lebensumgebung keine Bäume mehr wachsen und die Wurzeln der Sträucher nicht bis unter die Frostgrenze reichen leben sie in Höhlen und Felßpalten, Teilweise auch hinter Waßerfällen. Zu Eis erstarrt bizarre Formen des herabgestürzten Waßers bieten im Winter eine Trutzburg, hinter der so mancher Troll seinen Winterschlaf hält. Nur zum Mitwinterfest, um an den Feierlichkeiten teilnehmen zu können wird dieser Vorhang aus Eis von ihnen durchbrochen. Aber sie alle gemeinsam gehörten zum Småfolk und hatten Allbeert zu ihrem König gemacht. Einzig die Gruppe derer, einige Küsten- und Trotztrolle, die sich heimlich auf ein Schiff geschlichen hatte und somit jetzt auf Island lebt schert sich wenig um das was am Hofe Allbeerts vor sich geht, auch wenn sie stolz darauf verweisen das er ihr König sei.

Aber neben dem Troll des Småfolkes gibt es noch den Stor-Troll, von Körperwuchs und Größe fast mit uns Menschen zu vergleichen. In der gleichen Vielfalt wie sie auch bei uns vorzufinden ist. Also vom kleinwüchsigen bis zum 2-Meter-Mann bzw. Troll. Diese Trolle sind äußerst selten, aber man sagt ihnen nach das sie nicht die feinsten Sitten und Gebräuche hätten, gar manchmal recht brutal seien. Schließlich gibt es da noch den uns allen bekannte Jätte-Troll. Bei ihm ist alles riesig, der Wuchs, die Kraft, die Stimme, aber auch die Schläfrigkeit, so daß er gar Jahrzehnte verschlafen kann. Sowohl der Stor-Troll, als auch der Jätte-Troll sind unzweifelhaft Trolle, trotzdem ist Allbeert nicht ihr König. Sie erkennen keinerlei Obrigkeit an. Nur das erwähnte Småfolk bekennt sich klar zu seinem Herrscher, wobei seine Funktion eher als beratender Freund zu sehen ist. Klar, daß auch der Näck, ein trollähnliches Waßerwesen seinen eigenen Herrscher hat.

All diese unterschiedlichen Trolle deren Lebensräume sich immer wieder überschneiden haben jeweils ein Län gebildet. Die Grenze verläuft immer da, wo der am äußersten Rand Lebende meint, daß das ihm zustehende Territorium endet. Das die unterschiedlichen Arten der Trolle auch unterschiedliche Vorstellungen hat, steht dabei außer Zweifel. Auch die Vorstellung wie und wer was nutzt ist so gut wie generell verschieden. So kommt es vor, das ein Gebiet sowohl zum Reich des Småfolkes zählen kann, aber auch zum Gebiet der Jätte-Trolle. überschneiden sich die Intereßen der einzelnen nicht, so ist das völlig gleichgültig. Warum sollte es auch wegen solch einer Lappalie zu Unstimmigkeiten kommen.

Und denn noch, genau hier setzt die Funktion des Königs an. Völker, die weder Gesetze, noch eine Polizei und schon gar keine Verkehrsordnung haben, die ihnen vorschreibt die rechte Straßenseite zu benutzen, wozu auch, sie haben ja schließlich keine Autos, können eigentlich gar nicht regiert werden. Wenn sich Trolle der gleichen Gattung, z.B. Dem Småfolk zugehörig, begegnen wird sowieso erst einmal geprahlt, angegeben was für ein Held troll sei, oder eine Balgerei mit anschließendem gemeinsamen Gelächter begonnen. Ggf. wird auch irgend etwas ausgehägt, denn solch eine Begegnung kann nicht zufällig sein und sollte, sofern troll nicht sowieso gerade die gleichen Intereßen hat (wenn sie z.B. auf dem Weg zu einem Trollfest sind) sinnvoll genutzt werden. Wobei naturgegeben keiner jemals die Achtung vor dem Alter des ihm gegenüberstehenden vergießt. So ergibt es sich, daß die Aufgabe des Königs Allbeert allein in der Schlichtung liegt. Innerhalb des Småfolkes geschieht dies immer zum Mitsommerfest, wobei natürlich bei unüberwindlich scheinenden Differenzen vorher sowieso ein älterer Troll, ein Nachbar der Streithähne, eine Schlichtung versucht hatte. Konnte es bis Dato zu keiner Einigung kommen, Allbeerts Spruch gilt. Keiner kommt auch nur im entferntesten auf den Gedanken Zweifel an der Richtigkeit zu haben, selbst die Betroffene sind überzeugt die einzig richtige Lösung ihres Problems ist gefunden. Allein dieser Tatsache ist es zuzuschreiben, daß die kleinen Trolle, entgegen anders lautender Behauptungen, ein friedvolles Volk sind.

Aber nicht nur im inneren, auch nach außen hin bestehen die Aufgaben der Troll-Könige in der Schlichtung. Das Småfolk hat meist andere Intereßen als die Stor- oder die Jätte-Trolle. Also gibt es überschneidungen vor allem bei der Schatzsuche, die bei den jeweiligen Trollvölkern klaren Regeln folgt. In solchen Fällen kann es volkübergreifend zu Konflikten kommen. Dieser Problematik ist mit einer einfachen Schlichtung nicht bei zu kommen. Hier kann nicht ohne Weiteres der Könige Recht sprechen, denn er vertritt ja nur die Intereßen seines Småfolkes. Jeder vertritt hier selber seine Intereßen. Höchstens als Schlichter wird Allbeer von den größeren Trollen geduldet. Die Stor-Trolle vertreten ihre Position manchmal gar mit Drohungen. Zum Glück sind der gewaltsamen Durchsetzung Grenzen gesetzt, allein schon in einer gewißen Achtung voreinander. Zudem kommen noch besondere Fähigkeiten hinzu. Was der Jätte-Troll mit Kraft erreichen kann, erreicht der Stor-Troll mit Hinterlist. Das Småfolk kann dem Schläue und die von allen gefürchteten Verfluchungen entgegen setzen. Ein Pari, um das alle Gruppen der Trolle wißen. Daher sind sie stets auf der Suche nach einem für alle befriedigenden Schlichtungßpruch.

Jeder Troll lebt und handelt nach seinem gut Dünken und schert sich im Allgemeinen nicht um irgend eine Obrigkeit. Allein seiner Hilfsbereitschaft und das Gefühl dafür, einer Gruppe zuzugehören ist es zu verdanken das es beim Småfolk einen König gibt, auf den troll, wenn es das Miteinander fördert, hört.

Aber halt, erst einmal mußte doch irgend wann der erste aller Trolle seinen, wenn auch winzigen Fuß, auf unsere Mutter Erde setzen. Das Småfolk der Trolle mußte sich zuerst einmal zu dem entwickeln, was es heute ist. Genau diese Geschichte ist in dem Buch zu lesen.
 

 

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Die Trolle - wie sie leben